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Das Ziel: Meine Sicherheit wiederzufinden!

Hallo zusammen,

der Samstag war ein Tag zum Vergessen! Im ersten Moment ist da natürlich vor allem Enttäuschung. Aber ich bin lange genug dabei um zu wissen, dass es nichts hilft sich einzubuddeln. Der erste Schritt nach so einem Rennen ist deshalb immer die detaillierte Analyse. Dazu setze ich mich mit meinem Team meist direkt im Anschluss zusammen, und wir sprechen im Fall des Riesenslaloms beide Läufe vom Start bis ins Ziel durch, um Probleme und Fehler zu identifizieren und direkt Lösungen zu suchen. Dieser sachliche Zugang hilft mir nach einem guten Rennen, und noch mehr nach einem enttäuschenden Ergebnis, meine Emotionen zu sortieren und alles auch etwas zu relativieren und abzuhaken, damit ich mich dann wieder auf die nächsten Aufgaben konzentrieren kann.

Auch im Riesenslalom fehlen mir natürlich die wichtigen 1,5 Monate Vorbereitungszeit vorm Weltcupauftakt. Das Rennen in Killington (USA) war der erste Test unter Wettkampfbedingungen nach meiner Verletzung – und ich habe dort noch deutlich gemerkt, dass ich nicht zu 100 Prozent angreifen konnte und mental gehemmt war. In Sestriere (ITA) wollte ich dann dieses Wochenende alles geben, habe aber schon beim ersten Lauf gespürt, dass ich wieder nicht am letzten Zacken gefahren bin! Es war zu brav, zu rund, und es ist keine richtige Beschleunigung entstanden. Mit meiner Zeit von 1:10.01 habe ich natürlich etwas gehadert! Ich habe aber ein Gefühl für den Schnee bekommen und wollte dann beim zweiten Lauf bis an meine Grenzen gehen.

Wer mich kennt, weiß, dass in der Vergangenheit meine zweiten Läufe oft schon die besseren Läufe waren. Deshalb wollte ich auch dieses Mal im zweiten Durchgang attackieren. Aber der Kopf hat noch nicht mitgemacht: Im obere Abschnitt bin ich nicht ganz am Limit gefahren. Und auch an der Ausfahrt vom Steilhang konnte ich nicht die komplette Geschwindigkeit mitnehmen. Einige Tore sind gut gegangen, aber insgesamt bin ich nicht aggressiv genug gefahren und hatte zu wenig Selbstvertrauen. Die Folge war, dass meine Technik und mein Timing nicht mehr stimmten. Das Ergebnis war entsprechend mit 1:10.28  wieder eine Zeit, mit der ich nicht zufrieden war!

Gerade beim Riesenslalom ist es extrem wichtig, dass man seinen Rhythmus findet, weil sonst einfach der Flow fehlt, der nötig ist, um Topzeiten zu fahren. Aber ich weiß, dass ich diese Zeiten im Riesenslalom wieder fahren kann. Ich habe die Erfahrung und ich bin sicher, dass das Gefühl und damit auch die Angriffslust zurückkommen wird – dafür werde ich hart arbeiten, in den nächsten Trainings schwieriges Gelände suchen und mir meine Sicherheit Lauf um Lauf zurückholen.

Eure Viktoria