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Den Lauf gefunden – Eine Saison voller Highlights

Hinter mir liegen schöne und ereignisreiche Monate – ich habe eine gute Saison gehabt, in der ich sehr viel von dem umsetzen konnte, was ich mir vor der Saison vorgenommen habe. Meinem Team und mir kamen die ersten Rennwochen fast wie ein neuer Start vor, weil wir im Sommer den Schwerpunkt sehr stark auf meine ursprüngliche Disziplin Riesenslalom gelegt hatten – und unsere Planungen sind aufgegangen.

Mit den meisten Weltcup-Rennen, bei denen ich am Start stand, bin ich mit der Art und Weise, wie ich meinen Lauf heruntergebracht habe, zufrieden: Ich bin immer auf vollen Angriff gefahren, um bei jedem Rennen für mich das Maximum herauszuholen.

Sölden und Killington haben mir gezeigt, das ich auf den Punkt vorbereitet war, viel Energie mitbrachte und den Sommer gut genutzt hatte. Ich war voller Motivation und freute mich, dass endlich die Saison gestartet war. Beide Rennen waren toll organisiert, und die Stimmung war super – an diesen beiden Orten haben wir etwas für unsere harte Arbeit in den Sommermonaten zurückbekommen. Das hat mich getragen und ließ mich hoffnungsvoll auf die nächsten Rennen blicken.

In Val d’Isere habe ich nach einer wirklich guten Super-G-Fahrt einen Schlag abbekommen und bin dann schwer gestürzt. Das war ein Schock, und ich merkte, dass in meinem Körper einige Dinge nicht in Ordnung waren. Deshalb war es ein extremes Risiko für mich, später in Courchevel an den Start zu gehen – ich fühlte mich nicht sicher und hatte Angst, dass noch mehr passiert.

In Bad Kleinkirchen und Cortina d’Ampezzo konnte ich aufgrund einer Virusgrippe nicht an den Start gehen. Zwei Wochen kein Training, kein Rennen und darauf warten, dass ich körperlich wieder fit war. Das war hart für mich. Ich wusste auch nicht, ob ich nach dieser Zwangspause an meine frühere Form anschließen konnte.

Am Kronplatz und in Lenzerheide wurden mir diese Sorgen genommen. Es waren coole Rennen, die Atmosphäre vor Ort hat gestimmt, und alles war einfach perfekt: mein Körper, das Material, der Schnee. Dass ich auf einem so hohen Niveau zurückgekommen bin, hat mich selbst überrascht.

Und dann Olympia – dieses Ereignis ist für jeden Sportler ein ganz besonderes, das den Blick darauf öffnen sollte, dass Sport Brücken für ein friedliches Miteinander bauen kann. Den olympischen Geist, die Verbindung mit den vielen herausragenden Sportlern und den internationalen Teamspirit habe ich im olympischen Dorf gespürt. Ich habe Respekt vor allen Athleten, die lange Reisen auf sich genommen haben, um ihre besten Leistungen zu zeigen und Medaillen zu gewinnen. Diese eigene Anspannung hat die Zeit im olympischen Dorf zu einem besonderen Moment gemacht. Ich komme vom Tegernsee, aus einer Region, in der wirklich alles durch den Wintersport und seine Tradition geprägt ist – dieses typische Wintergefühl hat mir in Pyeongchang aber gefehlt.

In Ofterschwang habe ich ein Heimrennen erlebt, bei dem das Publikum herausragend war: Es war ein großer Moment, durch das Ziel zu fahren und zu sehen, dass man von allen lautstark angefeuert wird. Es war ein Publikum, das wirklich jeden von uns getragen und dafür gesorgt hat, dass wir alle einen Renntag erlebt haben, der einfach perfekt war.

In Are konnte ich dann nochmals überzeugen. Wir hatten mein Set-up etwas verändert, und dieses hat gleich funktioniert. Dieses ist eine gute Ausgangslage, die natürlich auch Motivation und Vertrauen für die neue Saison bringt. Ich bin weniger Rennen gefahren – aber ich habe mit insgesamt weniger Rennen mehr Punkte geholt.

Jetzt wieder die kleine Kristallkugel gewonnen zu haben, bedeutet mir sehr viel. Diese kleine Kugel zeigt mir, dass ich eine gute Saison gefahren bin. Ich konnte in vielen Läufen meinen besonderen Schwung zeigen, manche meiner Läufe waren perfekt und bei manchen fehlten mir die Hundertstel, die natürlich zum unseren Sport dazugehören und die auch für die neue Saison Luft nach oben lassen!

Die kleine Kugel hat mich wieder für die nächste Saison motiviert. Das ist das Schöne am Sport – aus den Niederlagen lernt man, die Siege treiben nach vorne und geben unglaublich viel Energie für die nächsten Jahre.

Eure Viktoria